Dieser Artikel ist in der Blognacht entstanden. Bei Anna treffen sich Blogger in einer Nacht, um spontan und ungefiltert zu schreiben.
Der Impus dazu: „Frisch gestrichen“
Was daraus geworden Ist?
Eine Reise durch Farben, Wechseljahre und die Frage, wer ich sein will.
Eine Reise durch die Wechseljahre in Farben
Ich stehe vor dem Farbfächer im Baumarkt. Hunderte Töne tanzen vor meinen Augen, von Cremeweiß bis Mitternachtsblau.
Früher war das einfach: Ich griff zu Beige.
Das war praktisch, unauffällig und passte zu allem.
Doch heute zögere ich.
Mein Blick bleibt bei einem tiefen Terrakotta hängen, wandert weiter zu einem
satten Petrol und landet bei einem mutigen Ocker.
Und plötzlich frage ich mich:
Welche Farbe bin ich eigentlich jetzt?
So mitten in den Wechseljahren. In einer Zeit, in dem der alte Anstrich zu blättern beginnt und ich frage mich:
Was kommt da drunter eigentlich zum Vorschein?
Die Farben der Vergangenheit
In meinen Zwanzigern war ich ein freudiges Sonnengelb.
Neugierig.
Alles war möglich. Die Welt gehörte mir.
Dann kamen die Dreißiger.
Da waren die Kinder, Beruf, Verantwortung.
Aus dem Gelb wurde ein gedämpftes Sandbeige.
Funktional. Pflegeleicht. Für alle da.
Die Rolle der Mutter, der Partnerin, der Kollegin.
Ich passe mich an, ordne mich ein und werde unsichtbar im besten Sinne:
immer da, nie störend.
Der alte Anstrich blättert ab
Und dann: die Wechseljahre.
Hitzewallungen, Hormonschwankungen, Schlaflosigkeit.
Das Gefühl, mich selbst nicht mehr ganz zu kennen.
Der Anstrich blättert.
Das ist kein Versagen. Das ist ein Signal.
Abblätternde Farbe bedeutet nicht, dass die Wand kaputt ist.
Das bedeutet: Es ist Zeit.
Zeit für eine neue Schicht.
Zeit für eine ehrlichere Farbe.
Eine, die wirklich zu mir passt.
Nicht zu dem, was andere an mir schön fanden.
Die Suche nach der neuen Farbe
Was liebe ich wirklich?
Nicht, was ich soll oder was sich gehört.
Was macht es mit mir, wenn ich all die schönen Farben sehe?
Dieses leuchtende Koralle, dass nach Energie und Lust schmeckt?
Oder das kräftige Indigo, dass nach Ruhe und Tiefe klingt?
Und das warme Terrakotta, dass nach Erde und Verwurzelung riecht?
In der zweiten Lebenshälfte darf ich mich ausprobieren.
Einen Farbton an die Wand klatschen und schauen, wie er wirkt.
Und wenn er nicht stimmt, nochmal neu ansetzen.
Das ist kein Scheitern.
Das ist Mut.
Licht verändert jede Farbe
Eine Farbe ist nie absolut.
Sie verändert sich mit dem Licht, dass auf sie fällt.
In einem fensterlosen Keller wirkt sie stumpf und kalt,
in einem Raum voller Morgensonne lebendig und weit.
Dasselbe gilt auch für mich.
Menschen, Orte, Glaubenssätze – sie alle werfen ein Licht auf mich.
Mal lässt es mich strahlen und mal verblassen.
Welches Licht tut mir gut?
Wer sieht mich in meinem schönsten Ton?
Wo wirke ich grau, obwohl ich eigentlich strahlen könnte?
Die Wechseljahre laden mich ein, genauer hinzuschauen:
Welche Lichtverhältnisse möchte ich für mein Leben?
Meine Farbe – satt, echt, unverwechselbar
Die neue Version von mir muss nicht perfekt sein.
Und sie muss nicht jedem gefallen.
Sie muss nicht einmal einen schönen Namen haben.
Es soll einfach nur meine Farbe sein.
Die Farbe als Haltung und als Aussage:
Hier bin ich.
Und ich bin nicht mehr Beige.
Wenn ich lange genug suche, kommt der Moment, indem ich
nicht mehr zögere.
Ich greife nach einer Farbe.
Weil sie mir gefällt und weil es sich richtig anfühlt.
Das ist mein Neuanstrich.
Und er gehört ganz zu mir.
Welche Farbe bist du gerade? Und welche möchtest du werden?
Schreib es mir in die Kommentare. Ich bin gespannt auf deine Farbe.
2 Antworten auf „Welche Farbe bin ich jetzt?“
Früher war Rot mein Ding, aber seit meiner Wechseljahrs-Neugeburt sind es alle Schattierungen von echtem Blau: Royalblau, Dunkelblau, Marine, auch mal Himmelblau. Das fühlt sich auch mehr bei mir an. Sozusagen frisch gestrichen bei mir selbst angekommen.
Liebe Ilka,
ein toller Blogartikel. Danke für die Inspiration. Und toll zu lesen.
Nach einer sehr buten Phase von ca. 20 Jahren, mit vielen bunten Farben, bin ich nun bei anderen Farben angekommen. Ich mag blau, je mehr Mitternacht, umso lieber. Aber auch rosa (darf gerne Baby Rosa sein).Rot steht mir gut genauso wie pink. Zu allem trage ich immer auch weiß. Und gerade wieder entdecke ich ein dunkles Grau, das ich mit allen Farben kombinieren kann. Klingt das langweilig? frage ich mch gerade. Ich habe das Gefühl, dass es eine edle, elegante Auswahl ist. Das mag ich.Dazu gibt es ein tolles Tuch, einen fetten Ring, einen fetzigen Schal.